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When everything's made to be broken

Aktuell schwelgen wir weltweit in Erinnerungen der 90er. Sanft untermalt von den Go Go Dolls, bebildert mit Selfies, die damals noch jemand anderes von uns „geschossen“ hat, da man wohlmöglich nie auf die Idee gekommen wäre, sich selbst allein abzulichten, um anschließend dieses Foto zu entwickeln und der ganzen Welt öffentlich zu präsentieren. Nun, als Reel (Collage) zusammengebastelt, füllen wir damit die sozialen Medien. Eine Sehnsucht nach besseren Zeiten? Zeiten, in denen viele von uns jünger, Corona noch ein Bier und Trump ein Immobilieninvestor war. „When everything feels like the movies.“


Momente im eigenen Kinderzimmer, bei Tee und Kerzen und der Unplugged in New York von Nirvana. Oder wir zaubern uns Episoden von beruflichem Aufstieg, Cornflakes mit Kuhmilch (zur Milch komme ich später noch) und Zucker zum Frühstück und einer 501 als Beinkleid, die man heute wieder als „in“ bezeichnen würde.


1998 singt John T. Rzeznik “When everything's made to be broken…” Er meinte damit sicher etwas anderes, doch können wir uns heute diesem Zitat bedienen, um die Weltsituation zu beschreiben. Es ist fragil. Produkte lassen versprochene Qualitäten vermissen, Regierungen ändern ihre nicht vorhandenen Pläne. Diskussionen über Geschlecht, Umwelt, Zeitgeist rauben den unterschiedlichen Generationen die nicht vorhandenen Nerven. Naiv zu glauben, es war früher alles besser. Es war jedoch weniger komplex.


Und genau diese Komplexität scheint für uns alle ein wenig zu groß. Jeder und jede hat eine Meinung. Nicht selten sehr links oder sehr rechts. Bequem hinter dem sicheren Bildschirm, der als Schutzschild dient, hastig polarisierende Meinungen getippt und ab dafür in den digitalen Äther. 


Eine Kommunikation in der Mitte findet kaum noch statt. „Cause I don't think that they'd understand.“ Ist es aber nicht genau die Idee von einem Kompromiss, der uns als Menschen sogar von den Tieren, hört, hört, Tiere, unterscheidet? 


Wohlmöglich müssen wir alle etwas aufgeben, um etwas zu gewinnen.

Für die einen ist es Land, für die anderen ist es Marge und wiederum für andere ist es das Selbstverständnis des eigenen „Nur-so-kann-es-richtig-sein“. 


Neue Feindbilder zu schaffen ist leicht. Sachliche Diskussionen zu führen mit völlig unterschiedlichen Sichtweisen ist hingegen anstrengend. Vielleicht können wir das nicht mehr, da unser Hyperdopaminergie uns zu trägen Denkerinnen und Denkern verwandelt hat.


Neulich wurde ich getadelt. Ich bestellte einen Cappuccino in einem Café. Auf die Frage, welche Milch ich wählen wolle, sagte ich: „bitte normale“. Die Dame hinter dem Tresen schaute mich verwundert an und antwortete: „Was ist denn normale, wer sagt das Kuhmilch normal ist?“ Ah, sie wusste zwar, dass ich Kuhmilch meinte, aber hatte mich als Feindbild erkannt. Mann über 40, der rückständig lebt und die neue Realität noch nicht akzeptiert hat. „Yeah, you bleed just to know you're alive.“ Eine Realität, die wer vorgibt? Schade, denn für mich ist es völlig in Ordnung, wenn andere Soja-, Hafer-, Kokos-, Mandel-, Reis-, Erbsen-, Dinkel- oder Hirsenmilch (Drink) zu sich nehmen, denn nach EU-Recht ist der Begriff „Milch“ geschützt. Er darf nur für Produkte verwendet werden, die aus der tierischen Milchdrüse stammen. 


Menschen mit Ideologien langfristig zu überzeugen funktionierte, als man noch eine Antwort hatte auf die Frage: „Wie funktioniert die Welt?“ Doch das kann keiner mehr wirklich beantworten. Aktuell schaffen diese extremen Sichtweisen Gräben, die kein romantischer Song je zu schließen vermag.


Was wir aber können ist etwas genauer hinzusehen und zu reflektieren, nicht blind Parolen zu übernehmen. 


Die Chancen die wir haben, liegen sicher nicht in der Rückkehr in die 90er. Sie liegen im Hier und Jetzt. In jedem Gespräch. In jeder Entscheidung. In jedem einzelnen Tag. In der eigenen Einstellung, im Wohlwollen. In der Bereitschaft auch andere Meinungen zu akzeptieren, auch wenn es schwerfällt, im Business, in der Familie, in der Politik. Akzeptieren bedeutet nicht teilen, es bedeutet aber sicher auch nicht verurteilen. „I just want you to know who I am.“


 
 
 

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