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Eine Entscheidung verdient einen Satz. Keine Rede.

Sie sitzt mir gegenüber, zweiter Kaffee, Notizblock voller durchgestrichener Punkte. Coaching-Session, Dienstagnachmittag, ein kleines Büro mit greller Deckenbeleuchtung, künstliches Licht. Sie erzählt mir von Montag. Von der neuen Schichtplanung. Und davon, wie sie ihrem Team erklärt hat, warum sie diesen so (und nicht anders) aufgesetzt hat.

 

Erst einmal. Dann noch einmal, weil ihr ein Blick im Raum unsicher vorkam. Dann ein drittes Mal, „damit es wirklich jeder versteht".

 

Drei Mal. Zwölf Minuten. Offen gefragt hatte sie niemand.

 

Ich lasse sie ausreden. Dann frage ich: „Wie oft haben Sie sich in diesen zwölf Minuten selbst überzeugt und wie oft die anderen?" Stille. Dann ein leises „Ah."

 

Ich sage ihr, was ich sehe, ohne es schönzureden. Sie hat nicht den neuen Plan erklärt. Sie hat sich gerechtfertigt. Und das, obwohl die Entscheidung gut war, durchdacht, richtig. Das Problem lag nie in der Sache. Es lag im Ton, in der ständigen Wiederholung, in einer Art der Unterwürfigkeit.

 

Ich kenne dieses Muster gut, nicht nur von ihr. Junge Führungskräfte glauben oft, eine Entscheidung wird erst dann legitim, wenn jeder im Raum sie nachvollzogen und im Idealfall für gut befunden hat. Bei drei Mitarbeitende ist das vielleicht sogar oft möglich, bei acht Teammitglieder wird das schon sehr viel schwerer.

 

Sicher ist es im ersten Moment sympathisch, immer alle mitnehmen zu wollen, alle sollen alles verstehen und vor allem akzeptieren. Nur: Jede zusätzliche Erklärung, die niemand verlangt hat, sendet eine stille Nebenbotschaft. Das Team hört nicht die Begründung, es hört vielmehr die Unsicherheit dahinter.

 

Ich sage ihr: Transparenz heißt, die Entscheidung nennen, den wichtigsten Grund nennen und fertig. Rechtfertigung heißt, so lange erklären, bis

Widerspruch gar nicht mehr nötig erscheint, weil man ihn längst selbst vorweggenommen hat. Das eine schafft Vertrauen. Das andere frisst es auf, in kleinen, gut gemeinten Häppchen.

 

Sie schreibt sich einen Satz auf. Ich lese ihn kopfüber mit: „Eine Entscheidung verdient einen Satz. Keine Rede."


Weitere Tipps und Tools findet ihr in meinem Buch.

 
 
 

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